Seen beim Abstieg vom Hochreichkopf


Nov
7
2011

Watzmannüberschreitung

geschrieben am 7. November 2011 von kempfi

Letztens hat mir ein Bekannter von der Watzmannüberschreitung vorgeschwärmt und nachdem die Wetterbedingungen dieses Wochenende optimal sind geht’s am Sonntag um 7 Uhr mit dem Auto Richtung BGL. Parkmöglichkeiten gibt es kostenpflichtig (4,–/Tag) direkt am großen Parkplatz bei der Wimmbachbrücke oder ca. 500m früher kostenlos auf der Bachseite. Von der Brücke geht’s kontinuierlich bergauf zum Watzmannhaus zur 1. Verschnaufpause (Info: Es gibt einen unversperrten geräumigen Winterraum mit Weissbiervorrat;-). Ab hier wird das Terrain deutlich steiler und der gut markierte Steig führt bis zum Biwak am Hocheck, wo die eigentliche Überschreitung beginnt. Gut gewappnet mit Gurt, KS-Set und Gamaschen geht’s über die Mittelspitze zur Südspitze. Der Grat ist relativ abgeschmiert, das Gestein fest und alle „unangenehmeren“ Stellen sehr gut mit Drahtseilen versichert. Schwierigkeiten bis max. B. Ich habe kein einziges Mal das Set eingehängt, habe am Wochenende zuvor jedoch den Jubiläumsgrat auf der Zugspitze gemacht und bin dadurch etwas abgehärtet. Einem Anfänger würde ich zur Mitnahme raten, Bergerfahrene werden gut ohne zurechtkommen. Die Überschreitung ist landschaftlich toll, technisch unschwierig (Trittsicherheit und einigermaßen Schwindelfreiheit vorausgesetzt) und deutlich kürzer als erwartet. In knapp 2 Std. war ich oben durch (lt. Topo 4+ Std). Auch die restlichen Gehzeiten waren kürzer als im Topo (ich gehe allerdings recht flott; 3.5 Std. rauf, 3 runter) – die auf den Schildern angegebenen Zeiten sind absolut surreal (nach diesen sollte ich wahrscheinlich jetzt noch unterwegs sein;-).

Der Abstieg verläuft die erste Stunde sehr steil durch Steinschlaggelände. Sofern mehr los ist wäre ein Helm keine schlechte Idee. Auch Stöcke erleichtern den Abstieg hier massiv. Sobald es flacher wird führt der Weg neben dem ausgetrockneten Flussbett oder aber direkt durch (Untergrund angenehmer zu gehen). 1. Stopp Wimbachgrieshütte, dann Schloss, Ende Klamm. Das Wimbachtal zieht sich dabei sehr in die Länge!

Fazit: Gut 2500hm auf 25km Tourlänge verlangen einiges an Ausdauer und v.a. genügend Wasserreserven, denn dieses kann erst im allerletzten Teil aufgefüllt werden. Davor ist der Bach unterirdisch.

8 Reaktionen zu “Watzmannüberschreitung”

  1. 1.
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    Rumbo


    Servus Kempfi,
    du hast mich ja auf eine tolle Idee gebracht, nämlich am am kommenden WE wieder mal die Überschreitung zu gehen.
    Kannst du mir bitte mitteilen, wie es schneemäßig ausschaut (vor allem beim Übergang zwischen den Gipfeln und dem Abstieg von der Südspitze)?
    Du hattest keine Steigeisen dabei, oder?
    Danke und liebe Grüße,
    Rudi

  2. 2.
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    kempfi


    Hallo Rudi!
    Die Überschreitung ist wirklich 1a!
    Bzgl. Verhältnisse: Bis Watzmannhaus komplett aper – auf halben Weg zum Biwag teilweise Schnee, aber nicht viel. Die Überschreitung selbst in den schattigen Passagen Schnee, jedoch gut gespurt und die Seile sind meist frei. Abstieg zu 99% frei. Steigeisen&Pickel kannst du auf jeden Fall daheim lassen. KS-Set, Gurt, Helm je nach persönlichem Geschmack. Ich habs zwar angelegt, aber nicht verwendet. Für den Abstieg sind Stöcke SEHR zu empfehlen!
    LG Mario

  3. 3.
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    Rumbo


    Mario,
    merci für die sehr schnelle und informative Antwort!
    Dann werd ich mir das fürs WE vornehmen.
    Evtl. geh ich die Überschreitung auch „andersrum“.
    Nachteil: man geht wohl ziemlich viel im Schatten, weil man der Sonne „entgegengeht“.
    Vorteil: der steile Abstieg von der Südspitze fällt weg und… Weißbier am Watzmannhaus !! (falls noch eines da ist)
    LG, Rudi

  4. 4.
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    kempfi


    Gerne 🙂
    Persönlich finde ich das Stück zwischen Watzmannhaus und Hocheck beim raufgehen angenehmer als runter. Auch den langen Talhatscher im Anstieg fände ich zaach. Eine persönliche Anmerkung: Beim Abstieg so wie ich ihn gemacht habe hat man den Vorteil, dass man große Strecken im weichen Sand des Flussbetts gehen, wofür die Füße sehr dankbar sind. Auch ist der Weg angenehmer, wenn man sich zeitlich verzettelt und es später wird. Und die Sonne/Schattengeschichte kommt natürlich ebenfalls dazu…
    Wie auch immer du sie gehst – ich wünsche viel Spaß und einen tollen Bergtag!
    lg

  5. 5.
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    Rumbo


    Servus Mario,
    wollte nochmal kurze Rückmeldung geben. Wir sind gestern zu viert die Überschreitung in der „normalen“ (von dir empfohlenen) Richtung gegangen und das war gut so. Die Argmente, die dafür sprechen, hast du eh schon aufgezählt. Dazu kommt, dass man die Schneepassagen im Aufstieg begeht, was sicher um einiges angenehmer ist. Wir haben es allerdings durch den Schnee schon ziemlich anstregend empfunden (und deine Gehzeiten auch „knapp“ verpasst), da man doch mehr auspassen muss als im aperen Zustand. Wir haben trotz für November sehr guten Bedingungen den ganzen Tag genau 8 Leute getroffen. Am Gipfel der Südspitze war es warm und gemütlich zu sitzen. Wenn nur nicht dieser Abstieg und vor allem der lange Hatscher durchs Wimbachtal wäre…
    Danke nochmal für den Tipp!
    Und wenn du wieder was Nettes weißt, stell es bitte hier ein… 😉
    LG, Rudi

  6. 6.
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    kempfi


    Hallo Rudi!
    Freut mich, von eurer positiven Tour zu hören und auch, dass ich mit meiner Empfehlung nicht daneben lag 😉 Bzgl. der Schneepassagen Aufstieg-Abstieg hast du natürlich ebenfalls absolut recht! Der Hatscher durchs Tal zieht sich leider echt in die Länge und man wünscht sich mehr wie einmal einen rollenden Untersatz zu haben…

    Tja, lohnende Tourenziele gibt’s zum Glück zur Genüge und die Bedingungen werden lt. Prognose auch fürs nächste Wochenende super sein (ein wenig kälter, aber trocken und sonnig). Ich überlege derzeit evtl. in Richtung Loferer zu schauen. Evtl. Breithorn oder ähnliches.

    Was grundsätzlich eine lässige Tour ist, ist der Jubiläumsgrat auf der Zugspitze. Der ist schon ein anderes Kaliber als die Watzmannüberschreitung, aber der Genuss der Grattour ist wesentlich länger. Überlegenswert wäre zB die Auffahrt mit der Bahn, Übergang zum Biwak, dort übernachten und am 2. Tag den restlichen Grat zur Alpspitze und von dort Abstieg ins Tal. Theoretisch ginge auch der Aufstieg vom Tal plus Übergang zum Biwak, aber das könnte länger werden und ein spontanes Biwak im Grat wird frisch.
    Liebe Grüße, Mario

  7. 7.
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    kempfi


    PS: die Tourensammlung hier ist eine super Sache und hilft dir bei der Findung lohnender Ziele sicherlich weiter 🙂

  8. 8.
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    Markus


    Die 2500hm sind schon sehr stark aufgerundet 😉 Es sind so um die 2.150hm…

    Aber mit den Gehzeiten gebe ich dir Recht. Die neuen EU-Schilder sind absolut schwachsinnig…

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